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Presse:

Frankenberger Zeitung, 27. September 2011

Still Collins und ein bisschen Gabriel

Coverband begeistert 650 Besucher in der Battenberger Burgberghalle ·
Musiker mit perfekter Bühnenpräsenz

Vierzig Jahre einer einzigartigen musikalischen Karriere in einem einzigen Auftritt: Beim Still-Collins-Konzert in der Burgberghalle reichte die Bandbreite vom Einstieg des Namenspatrons bei Genesis mit „Musical Box“ (1971) bis zu „Heatwave“ vom jüngsten Album.

Von Armin Hennig

Battenberg. Die schaurige Artrock Ballade vom Geist, der seine Rechte an seiner fröhlich weiterlebenden Schwester geltend macht, die ihn beim Krokettspiel enthauptet hat, war ebenso Teil der ersten Stunde wie „Follow you, follow me“. Jener Hit, mit dem der Schlagzeuger, der sich eher zufällig als der ideale Stellvertreter für Peter Gabriel erwiesen hatte, aus dem Schatten des ehemaligen Frontmans getreten war (1978).

Der frisch eingespielte SoulKlassiker „Heatwave“ stand im Programm für die zweite Hälfte, bei der das spielfreudige Sextett die angepeilte Stunde Auftrittszeit locker überschritt.

Frontmann Sven Komp und seine Mitspieler scherten sich bei ihrer umjubelten Phil-Collins-Tribute-Show nicht allzu sehr um chronologische Vorgaben. Stattdessen bestach die Band durch individuelle Akzente von Musikern mit perfekter Bühnenpräsenz und einem gesunden Sinn für Humor.

Sonst scherten sich Frontman Sven Komp und seine Mitspieler nicht allzu sehr um chronologische Vorgaben, auch wenn sich zu Beginn des zweiten Sets mit „Mama“ und „Home by the Sea“ ein Schwerpunkt auf das 1983erAlbum herauskristallisierte. Sven Komp lachte bei „Mama“ noch ein wenig gehässiger als das Vorbild, bei seinen knappen Gitarrenakzenten präsentiert sich Uli Opfergelt als Axeman erster Güte und eine Spur dämonischer als seinerzeit Mike Rutherford.

Gesunder Sinn für Humor

Individuelle Akzente von Musikern mit perfekter Bühnenpräsenz und einem gesunden Sinn für Humor: Etwa wenn Sven Komp bei der Vorstellung des Facebook Auftritts von Still Collins erwähnt, dass unlängst sogar Roger Whittaker den „Gefälltmir-Button“ gedrückt habe. Eine nette Geste, die mit einem Lied des Schmusesängers für die Ü80 Generation gewürdigt werden sollte. Passend zur Ankündigung schnallten sich Leadsänger und Gitarrist denn auch akustische Klampfen um.

Doch auf banges Warten folgt großer Jubel bei den ersten Aufbruchstimmung verheißenden Akkorden von „Solsbury Hill“, jenem Hit, mit dem sich Peter Gabriel einst von Genesis emanzipiert hatte. Still heißt eben „immer noch“ auf Deutsch, aber eben nicht „nur“, wiewohl Phil Collins und Peter Gabriel in unterschiedlichen Phasen ihrer Karriere wechselseitig voneinander profitiert haben.

Bei „Sledgehammer“, dessen Zweideutigkeiten Sven Komp mit unmissverständlicher Körpersprache eindeutig nachvollziehbar machte, stieg auch Meike Anlauff wieder als Chorus Girl in die Show ein, die zugleich deutlich an Tempo zulegte. Mit Gabriels Achtzigerjahrehit war gewissermaßen auch die Tanzfläche vor der Bühne eröffnet und gerade beim very, very extended Live Mix von „Sussudio“ erreichten das Spektakel auf der Bühne und das Tanzfieber davor einen ersten Gipfel.

Für viele Fans schien damit der Höhepunkt erreicht, aber im vielfältigen Repertoire des Vorbilds gibt es ganz unterschiedliche Stimmungsgipfel: mit einem langsamen Intro ließen Still Collins dem Publikum ausreichend Zeit zur Einstimmung auf „In the Air tonight“, eine intensive Verschnaufpause vor dem nächsten musikalischen Marathon, denn „Invisible Touch“, das Genesis seinerzeit auf dreieinhalb Minuten angelegt hatten, entwickelte schnell eine gewisse Eigendynamik und geriet zur viertelstündigen Tour de Force mit etlichen Trugschlüssen und souverän eingebautem Fremdmaterial von Artrock bis Hardrock in den Übergängen wie etwa „Smoke on the Water“ in einer Bonsaiversion.

Elvis, Einstein, Mister Spock

Die musikalisch mehrfach genarrten Fans konnten trotzdem nicht genug bekommen, nicht anders erging es der Band. „Geile Halle, tolles Publikum“, hatte Sven Komp schon vor dem offiziellen Ende erklärt und hinzugefügt, dass er gerne noch mal hier auftreten würde. Zur ersten Zugabe kam er als Elvis zurück, die Keyboarder Wolfgang Braun als Einstein und Christoph Wüllner als Mister Spock, Bassist Markus Hartmann als Schumi – eine Reverenz an die Spitting Image Puppen, die „Land of Confusion“ einst zum Videohit des Jahres gemacht hatten. Der nächste Abtanzer, bei dem das Sextett die zeitlichen Vorgaben von Genesis weit überschritt. So viele Arme wie bei der ersten Zugabe waren den ganzen Abend über nicht in der Luft gewesen.

Mit den Titeln „Another Day in Paradise“ und „Carpet Crawlers“ folgten zuletzt noch zwei abschließende, aber trotzdem begeistert bejubelte Beruhigungspillen.

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