Presse:
Hellweger Anzeiger, 16. Dezember 2008
Still Gabriel, still Genesis
Tribut an Phil Collins wurde im rappelvollen Kühlschiff
auch zum Festival für Genesis-FansVon Silvia Rinke
UNNA • Das Beste kommt fast zum Schluss: „Smoke on the water". Das ist nicht wirklich von Phil Collins.
„Solesbury Hill" ist ebenfalls nicht von Phil Collins. Es ist von Peter Gabriel, der hat es komponiert und als erster auch gesungen. Als deutschlandweit bekannteste und erfolgreichste Phil-Collins-Covertruppe sieht man das offenbar nicht so eng. Die Band haut gleich noch „Siedgehammer" hinterher - auch der Hammer ist von Peter Gabriel, dem späten Gabriel. Sänger und Frontmann Sven Komp weiß offenbar genau, was die Menge hier heute Abend im rappelvollen Kühlschiff hören will. „Wollt ihr Genesis?!", brüllt er in den Saal, „jaaa!!", brüllt es zurück, und Komp macht, was ihm brüllend befohlen wird. Still Phil Gabriel, still Genesis.
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Auf den Spuren des jungen Phil Collins: Martin Littfinski sitzt bei Still Collins am Schlagzeug. Den Gesang überlässt er - anders als der Genesis-Drummer - Bankollegen Sven Komp.
Da Phil Collins erheblich länger zusammen mit Genesis gesungen, musiziert und Platten produziert hat als später solo, wird dieses Tribute-to-Collins-Konzert zugleich zum Festival für (späte) Genesis-Anhänger. Als älteste Nummer erklingt „Carpet Crawlers" aus dem legendären Album „Lamb lies down on broadway" - das ist wirklich uralt. Dazu gibt's zwei Nummern aus dem 83er-Genesis-Album: „Mama" (viel gehört, oft kopiert, manchmal erreicht - etwa heute Abend) und „Home by the sea" - das ist neu im Programm, verrät der agile kleine Sänger, eher selten bei Genesis-Tribute-Konzerten zu hören und von „Still Collins" mitsamt sphärisch blauem Bühnenlicht unter die Haut gehend rübergebracht.
Optisch erinnert Frontmann Sven Komp mit seinem lustigen Lockenkopf in nichts und gar nichts an Phil Collins, den Collins-typischen leicht quäkend-nasalen Gesang kriegt er dafür prima hin, vor allem bei den sehr langsamen Stücken und den ganz schnellen. Die schnellste Collins-Nummer ist „Sussudio", da geht die Post ab im Kühlschiff, und Komp rockt sich in zehn Minuten triefend schweißnass.
Dass keiner auf der Bühne optisch auch nur entfernt an Phil Collins erinnert, macht gar nichts, dafür geht Gitarrist Uli Opfergelt problemlos als Bruce-Willis-Double durch. Davon abgesehen kann Haudrauf-Bruce garantiert nicht halb so gnadenlos gut Gitarre spielen. Seine Ambitionen für höhere (Rocker-) Weihen stellt Opfergelt bei der ersten Zugabe zusammen mit Bassist Markus Hartmann und Schlagzeuger Martin Littfinski unter Beweis, da verlassen sie mal für fünf Minuten kurz überraschend die Collins-Gabriel-Genesis-Tonspur und dreschen in bester Deep-Purple-Manier „Smoke on the water". Das Volk tobt und will mehr davon, es bekommt in zwei weiteren Zugaben nochmals Collins, wobei bei „In the Air Tonight" mit sphärisch blauer Illuminierung die Illusion perfekt ist - so leidenschaftlich trägt der kleine Frontmann diesen Ewig-Klassiker vor.
Schlaggenau 20 Uhr ging's los, zwischendurch ein Mikro-Päuschen von zehn Minuten - „ich mach' nicht länger!", warnte Komp, „nur eben für 'ne schnelle Zigarette, ich hab gehört, hiernach kommt noch 'ne geile Party." Das sagt er ganz ohne Spott und Häme, überhaupt kommt er wie seine vier Jungs und das Mädel (Bereicherung im Background: Caren Faust) sehr sympathisch rüber und haut in netto zwei Stunden 15 Minuten tatsächlich das komplette Collins-Genesis-Klassikprogramm raus. „Ihr seid super, danke, ein absolut toller Abend hier in Unna!", bedankt sich der kleine Phil Collins am Ende atemlos, er sieht immer noch so gar nicht wie Phil Colllins aus. Man glaubt es ihm trotzdem aufs Wort.