Presse:
Soester Anzeiger, 25. Februar 2008
Mehr als Easy Listening
Still Collins" war nicht nur etwas für Freunde der Schmusesongs
Tribute-Band versöhnt sehr unterschiedliche Stile der Gruppe „Genesis"SOEST • „Still Collins" ist ein genial treffender Name für eine Band, die sich der Musik von Phil Collins verschrieben hat. Die sieben Mitglieder dieser Tribute-Band, sind aber selbst so glänzende Musiker, dass sie den Meister des „Easy Listening" nicht einfach kopieren, sondern eigene Akzente setzen. So war ihr zweistündiger Auftritt am Samstag in der Stadthalle nicht nur etwas für Frauen und Frauenversteher.
Für orthodoxe Fans von „Genesis" war dieses Kapitel eigentlich schon 1976 beendet, als die Gruppe ihr erstes Album nach dem Weggang ihres Frontmanns Peter Gabriel veröffentlichte. Schlagzeuger Phil Collins rückte in den Vordergrund und machte aus „Genesis" eine ganz andere Band, die letztlich nur zum Vehikel seiner Solokarriere wurde. Doch der Erfolg gibt Collins Recht, bis heute.
Eine Cover-Band, die sich diesem reichen Erbe aus eingängigen Melodien verschrieben hat, könnte also mühelos ein Konzert mit Schmuseliedern bestreiten. Zumal „Still Collins" auch noch Eigenes in diesem Stil beisteuern kann und damit das Publikum aufs Glatteis führte, das ein Stück Collins oder Genesis zuordnen sollte.
Überhaupt waren die Soester - knapp 800 dürften es gewesen sein - nicht ganz so textsicher, wie man das von einem echten Fans erwarten kann. Und der sollte auch wissen, welches Stück wann und wo erschienen ist.
Mit „Deep Purple" in die Pause geschickt
Doch so ganz lupenreine Collins-Epigonen sind Sven Komp (Gesang), Caren Faust (Backgroundgesang), Martin Littfinski (Schlagzeug), Markus Hartmann (Bass), Christoph Wüllner (Keyboard und Backgroundgesang), Andreas Wegener (Keyboard) und Uli Opfergelt (Gitarre) auch nicht. Immer wieder mischten sie Hardrock-Passagen in ihr Repertoire, die ganz gewiss nicht von Phil Collins stammten. So wurden die Gäste mit einem Medley aus Klassikern von „Deep Purple" in die Pause geschickt.
Wenn man es genau nimmt, ging das Konzert erst nach der Pause so richtig los. „You Can't Hurry Love" oder „One More Night" leiteten über zu „einem guten, alten Kumpel von Onkel Phil". Gemeint war eben jener Peter Gabriel, der die frühen „Genesis" geprägt hatte. Die Einschätzung mag subjektiv sein, aber erst bei „Solsbury Hill" und „Sledgehammer" spielte die Gruppe wirklich ihr großes Potenzial aus. Bei „Don't Give Up" war man nah dran am Original, nicht zuletzt wegen der Stimmen von Komp und Faust.
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Ein Sänger ganz in Weiß und eine Frau am zweiten Mikrofon - das sieht ganz nach einem sanften Liederabend aus. Doch „Still Collins", die sich dem Schmusekünstler Phil Collins verschrieben haben, können auch anders. Selbst Männer, die ihre Frauen nur aus Gefälligkeit begleitet hatten, kamen durchaus auf ihre Kosten. • Foto: Ricken
Um die, Rolle rückwärts zu schaffen zu Phil Collins, musste danach schon was Großes aus dessen Feder kommen. „In The Air Tonight", die Mutter aller Schmusesongs, das Lied, bei dem angeblich zahllose Kinder gezeugt wurden. Ein Umstand, auf den Phil Colhns übrigens sehr stolz sein soll.
Stolz darf er auch auf seine Tribute-Band sein, die ihn nicht einfach nachäfft. Im Gegenteil: Sie schafft, es mühelos, so unterschiedliche „Genesis"-Stile - hier der glatte Collins, dort der tiefgründige Gabriel - zu versöhnen, ohne dass es peinlich wirkt. Großes Kompliment.
Und weil man eben in Soest kein Schmuse-Konzert geben wollte, klang der Abend mit einem „Invisible Touch" aus, das nahtlos in ein rockiges „Jump!" übergeht mit einem Gitarrensolo, das auch Eddie van Halen gefallen hätte. Für die sanften Collins-Fans das Zeichen zum Aufbruch, zumal dann noch der Rock- Klassiker „Smoke On The Water" folgte.
Dennoch: „Still Collins" darf wiederkommen. Bis dahin sind die Soester vielleicht auch textsicher.