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Presse:

Grafschafter Nachrichten, 22. Februar 2006

Musikalische Zeitreise zu „Genesis“

Die Band „Still Collins“ begeisterte 300 Rockfans im KTS. (Foto: Konjer)

NORDHORN - Das Licht im KTS geht aus und es beginnt ein dumpfer, mystischer Rhythmuspattern. Rhythmus mit Atmosphäre, das ist genau das, was Phil Collins nach seiner „Genesis“-Zeit, als er hinter dem Frontmann Peter Gabriel das Schlagzeug bediente, zum Sprung in seine Solokarriere verholfen hat. Und da sieht man im Halbdunkel sieben Personen, die langsam und roboterartig durch den Saal in Richtung Bühne tanzen. Tanz und Musik entstammen dem Song „I Can't Dance“. Ein Phil Collins-Song, der eine Persiflage auf Michael Jacksons Tanzart, Lebensstil und die Kommerzialisierung der Musik darstellt.

300 Besucher waren am Samstagabend in den Nordhorner KTS gekommen. Der Auftakt der Band „Still Collins“, deren Repertoire ausschließlich aus der Feder des „großen Meisters“ stammt, geriet schon mal verheißungsvoll. Und mit „Follow me“ gaben die Musiker aus Köln ihrem Publikum von Anfang an das Motto vor: Die Collins-Fans folgten der Band im Laufe des Programms auf Schritt und Tritt. Und das aus gutem Grund: Ein guter Sound, gute Musiker, eine angenehme Bühnenperformance und lockere Moderationen - das alles kam sehr direkt und sympathisch rüber. Auch der Soundmann verstand es, ein erträgliches und ausgeglichenes, aber dennoch sattes Klangbild zu mischen. Instrumente und Technik wurde von den Menschen benutzt und beherrscht - nicht umgekehrt.

Seit elf Jahren gibt es die Band schon und das war auch zu hören. Völlig unangestrengt und gut auf einander eingespielt, reproduzierten die Musiker alles, was der Collins-Fan von seinen Alben her kennt und erwartet. Auch die Stimme des Sängers Sven Komp, ja hier und da sogar einige Gesten und Schritte, entsprachen dem Original. Die Sängerin Meike Anlauff ergänzte zusammen mit dem Keyboarder Christoph Wüllner den Gesang nicht nur zur Dreistimmigkeit, sie ließ auch an einigen Stellen ihr gesang- liches Potenzial aufblitzen. So geschehen beim Titel „Easy Lover“, bei dem man das Gefühl hatte, dass unter der Haube dieser „Background-Sängerin“ eigentlich ein „12-Zylinder Motor wummert“.

Dann gab es den Gitarristen Uli Opfergelt zu bewundern. Er konnte das Publikum mit so manchem Gitarrensolo begeistern. Deutlich war ihm anzumerken, dass er seine Lektionen in der Rockmusik gelernt hatte. So war jedenfalls nur zu erklären, warum er nach dem Song „Jesus He Knows Me“ kurzerhand per fliegender Modulation die 180-Grad-Kurve zu „Deep Purple“ nahm und etwa das Solo von „Highway Star“ spielte.

Im Hintergrund wirkten der Bassist Markus Hartmann, der Keyboarder Wolfgang Braun und der Drummer Martin Littfinski. Letzterer hatte eigentlich die schwerste Bürde zu tragen. Immerhin ist Collins von Hause aus Schlagzeuger und sein Stil Schlagzeug zu spielen und das Schlagzeugspiel mit technischen Mitteln zu ergänzen, bildet die Basis seiner Songs: zumindest aus der Zeit der 80er Jahre. Deshalb waren auch die Techniker am Mischpult gefordert. So konnte man etwa beim Titel „Against All Odds“ den abge- schnittenen Halleffekt auf den Toms bewundern, der, nachdem 1981 „In The Air Tonight“ erschien, überall auf der Welt nachgeahmt wurde.

Zu den verschiedenen Songs konnte man auf der Leinwand Erscheinungsdatum und wichtige Ereignisse nachlesen, die im betreffenden Jahr stattgefunden haben. Als nach der Pause eine kleine Passage des Albums „A Trick Of A Tail“ erklang, waren es tatsächlich schon 30 Jahre her, dass diese Musik die Welt erblickte...

...Die Konzertbesucher kamen voll auf ihre Kosten.

Von Johannes Strzyzewski

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