Presse:
General-Anzeiger, 16. Oktober 2004
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Freitagnachmittag in Beuel. In einem kleinen Büro auf der Königswinterer Straße laufen die Telefone heiß. „Das wird verdammt eng", sagt Sven Komp, Sänger der Bonner Formation Still Collins, „aber wir werden es passend machen." Sein Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung ist ein Konzertagent, der Svens Band für einen Auftritt am 31. Oktober in Leverkusen buchen möchte. Das Problem: Still Collins gastiert am Vorabend bereits bei einem großen Brauereifest in der Nähe von Dresden. Die Rückfahrt ins Rheinland wird wohl etwas hektisch werden.
70 bis 80 Konzerte bestreitet Still Collins bundesweit pro Jahr - und das vorzugsweise mit nachgespielten Hits aus der Feder von Phil Collins und Genesis. Zum Konzert beim sächsischen Brauereifest werden 1.500 Besucher erwartet. „Mindestens", sagt Sänger Sven. ...
Der Bonner Sänger ist groß, schlank, er hat volles, lockiges Haar und sympathische grau-grüne Augen. Optisch eigentlich das schiere Gegenteil von Phil Collins, den zudem ein Hörschaden plagt.
Es ist die „Gesamtpersönlichkeit" des Briten, die den Bonner beeindruckt. Komp besucht die Konzerte von Collins, beobachtet „analytisch" dessen Auftritt: „Das ist Pflichtprogramm, ich muss wissen, was er macht." Eher enttäuscht war Sven von der letzten Tournee: „Bei einigen hohen Passagen hat Phil das Mikro verdächtig weit von sich weg gehalten."
Geboren in Oberkassel, Abitur, Bund, VWL-Studium: Nebenher verdingte sich Sven Komp als Straßenmusiker mit dem Duo Bonn Chauvi und versorgte private Feten mit Tanzmusik. Dabei fiel seine besondere Stimme auf. 1995 gründete er mit Gleichgesinnten das Collins-Projekt. Die Jazz Galerie wurde schnell zu klein für Still Collins, einige Auftritte im Brückenforum beschleunigten den Bekanntheitsgrad.
Zum Abschluss des Studiums fehlten Sven zwei Scheine. „Ich bereue nichts", sagt er. Als Geschäftsführer einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts betreut Komp die Band Still Collins und bucht auch für Reggatta de Blanc, Material Girl und Rhein Adams bundesweit Auftritte.
Ein weiteres Projekt steht vor der Vollendung. Still Collins bringt eine erste Maxi-CD mit vier eigenen Titeln auf den Markt. Nicht ohne ein stolzes Funkeln in den grau-grünen Augen schiebt Sven den Silberling „Beautiful Thing" in den CD-Player. Zwei schnelle Stücke, zwei Balladen - professionell produziert, sauber arrangiert mit einer durchaus eigenen Handschrift. ...
Die CD soll beim Konzert im Brückenforum vorgestellt werden. Komp rechnet mit 1.300 Besuchern, danach spielt Still Collins erstmals beim Internationalen Presseball im Maritim. Dann wird er wieder mit Phil Collins verwechselt. Es stört ihn nicht im geringsten, zumal er weiß, dass der Goliath den David kennt: „Phil unterstützt uns auf seiner Intemetseite, er veröffentlicht dort sogar unsere Konzerttermine." Und freut sich über die Zweitverwertung seines Lebenswerkes.
von Heinz Dietl, Fotos: Horst Müller